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Erwachsenenbildung

01.05.2026 – Erwachsenenbildung-Kultur

Wechselausstellung «Leere» im Mai: Leere Meere?!

Die Nische in der Kirche Menznau wird kurz vor Mai wieder leer – und ich fülle sie mit noch mehr Leere. Aber hoffentlich doch eher nur potenzieller Leere?

Es war anfangs November 2025. Ich kann mich noch gut erinnern, wie ich nichtsahnend an einem Montag in einer Vorlesung sass, als ich das erste Mal von den «Global Dipping Points», auf Deutsch «Klimakipppunkte», hörte. Damit gemeint sind verschiedene Natursysteme, die wichtig für die Stabilisierung unseres Erdklimas sind - so z.B. die Regenwälder, die Eisschilde der Pole, usw. Werden die Grenzen dieser Systeme zu stark überschritten, also «gekippt», geht die aktuelle Forschung davon aus, dass diese kaum mehr rückgängig gemacht werden können. Das heisst, diese Systeme könnten dauerhaft verschwinden und das Klima durch verstärkte Prozesse noch mehr destabilisieren.

 

Was beinah schon nach düsterer Schwarzmalerei tönt, ist seit letztem Jahr leider zur Realität geworden. Im Oktober 2025 wurde im «Global Tipping Points Report» veröffentlicht, dass der erste Klimakippunkt bereits erreicht wurde: Laut dem Bericht stehen Warmwasser-Korallenriffe mit 99%er Sicherheit davor, abzusterben, wenn sich in den nächsten zehn Jahren die Ozeane weiterhin erwärmen!

 

Wie sich ohne Mühe herauslesen lässt, hat mich diese Nachricht tief getroffen. Die Ausstellung «Leere Meere?!» ist mein Versuch, auf sanfte Weise auf dieses Thema aufmerksam zu machen, das mir sehr am Herzen liegt. Sie besteht aus, wie sollte es auch anders sein: Vielen Korallen. Die gebleichten Korallenmodelle wurden absichtlich aus upcycelten Materialien wie Altpapier, Karton oder Plastik hergestellt. Sie laden dazu ein, sich mit dem Thema näher auseinander zu setzen, und wer will, kann sogar einen QR-Code scannen, um eine Koralle zu adoptieren.

 

Es ist ein etwas anderer kreativer Ansatz als der, den ich sonst nachverfolge. Jene, die mich noch von der Einzigart-Ausstellung in Geiss kennen, wissen, dass ich mich sonst eher aufs Zeichnen und Malen als auf Plastisches konzentriere. In meiner Freizeit bin ich gerne allerlei-künstlerisch unterwegs, am liebsten aber male ich Kleinbilder und grosse Wandbilder, fotografiere und illustriere. Seit letztem September hat es mich für mein Studium weg von Menznau nach Bern gezogen, wo ich mich nebst den Fächern Geschichte und Germanistik eben auch mit Nachhaltiger Entwicklung auseinandersetze – unter anderem eben in jener Vorlesung, in die ich wie gesagt nichtsahnend hineinspazierte, und ernüchtert wieder hinauskam. Ich bin zwar keine Meeresbiologin oder Korallenretterin, aber ich hoffe, als Künstlerin hiermit einen kleinen Teil beitragen zu können – damit nicht nur die Nische in der Kirche Menznau, sondern auch die Meere wieder mit ihren Schätzen gefüllt werden können.

 

Die von der Kulturkommission und der Pfarrei initiierte Ausstellung ist frei zugänglich. Im Mai ist die Pfarrkirche Menznau täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Ich freue mich auf jeden Besuch!

 

Tamia Masaquiza