22.04.2026 – Religionsunterricht
Rückenwind für mein Leben erhalten
Wieso soll sich ein junger Mensch firmen lassen?
Bernhard: «Die Firmung ist ein einzigartiges Sakrament und ein grosses Geschenk. Sie stärkt dich für dein Leben und wird deshalb vom Bischof oder von ihm beauftragte Personen durchgeführt. Du entscheidest dich bewusst für deinen Weg, für deinen christlichen Glauben. Du bekommst Rückenwind gerade in einer Zeit, in der vieles offen ist. Die Firmung sagt dir: Du bist nicht allein unterwegs. Da ist eine Kraft, die dich trägt. Und da sind Menschen, die mit dir gehen. Im Alltag. In Entscheidungen. In schwierigen Momenten. Und vielleicht merkst du: Glaube ist nichts Veraltetes, sondern etwas, das dir heute Halt gibt und dich wachsen lässt in deinen Gedanken.»
Im Mai 2027 werden alle Jugendlichen, die nicht mehr die Firmung in der 5./6. Klasse empfangen haben zum neuen Firmweg 15plus eingeladen. Was können Jugendliche vom Firmweg 15plus erwarten?
Bernhard: «Zusammen mit einer Firmgruppe mit Vertretungen aus allen Pfarreien im Pastoralraum wollen wir einen Weg gestalten, der spürbar, freudig, motivierend und erlebnisorientiert ist. Nicht einfach Programm – sondern Leben. Die Jugendlichen treffen auf Menschen, die ähnlich unterwegs sind. Begegnungen, Gespräche, Lachen, Nachdenken und gelebter Glaube prägen die verschiedenen Anlässe im Firmweg. Und du darfst herausfinden: Was glaube ich – und was ist mir wichtig? Was gibt mir Halt?»
Welche Voraussetzungen müssen sie mitbringen, welche bewusst nicht?
Ruth Maria: «Die Jugendlichen müssen interessiert sein, sich mit dem Glauben und der katholischen Kirche auseinanderzusetzen. Mit der Anmeldung verpflichten sie sich zu der Teilnahme an den obligatorischen Elementen. Eingeladen werden Jugendliche, die zu Beginn des Firmwegs mindestens 14 Jahre alt sind. Es ist keine Voraussetzung, besonders fromm zu sein oder regelmässig den Gottesdienst zu besuchen. Es ist keine zwingende Voraussetzung, durchgängig am Religionsunterricht teilgenommen zu haben. Die Inhalte können neben dem Firmweg nachgeholt werden.»
Was unterscheidet den Firmweg vom Religionsunterricht?
Bernhard: «Der grosse Unterschied ist: Hier geht es nicht um Unterrichtsstoff – sondern um die Jugendlichen selbst. Sie stehen im Mittelpunkt. Es geht nicht um richtige Antworten – sondern um echte Fragen. Du erlebst Dinge, statt sie nur zu hören. Und die Jugendlichen sind eingeladen, ihren eigenen Weg im Glauben zu Gott zu finden. Zudem findet der Firmweg ausserschulisch statt und nicht im Schulzimmer.»
Was für Arten von Anlässe wird es auf dem Firmweg geben?
Bernhard: «Ganz unterschiedlich: mal ruhig und tief, mal lebendig und actionreich. Gespräche, Projekte in den einzelnen Pfarreien – «einander helfen und weitergeben», Escape Room, Ausflüge und vielleicht ein Weekend. Und immer wieder Momente, die dich überraschen – im besten Sinn.»
Wer begleitet die Jugendlichen auf dem Firmweg?
Bernhard: «Ein Firmteam aus jungen, gefirmten Menschen, die Freude teilen und wirklich für die Firmandinnen und Firmanden da sind. Menschen, die zuhören. Die nicht alles besser wissen, sondern mitgehen. Und dich ernst nehmen – genau so, wie du bist. Das Firmbegleitungsteam übernimmt auch planerische und organisatorische Aufgaben im Pastoralraum. In den nächsten Pfarreiblättern und auf der Homepage werden wir Ausschreibungen veröffentlichen, um weitere engagierte Menschen für dieses Team zu gewinnen.»
Wer kann sonst alles auf dem Firmweg mithelfen?
Ruth Maria: «Da es verschiedene Elemente gibt, bestehen vielfältige Möglichkeiten auch zu punktueller Mithilfe. Das kann sehr praktisch z.B. in der Küche oder auch inhaltlich sein. Wer Interesse hat, Jugendliche auf diesem spirituellen Weg zu unterstützen, darf sich gerne bei Bernhard Bucher melden.»
Was ist das Ziel des Firmwegs 15plus bzw was wollt Ihr erreichen, so dass sich sagen lässt «der Firmweg 15plus läuft erfolgreich»?
Bernhard: «Aus meiner Sicht beginnt der Erfolg bereits bei der Anmeldung. Wenn möglichst viele den Mut und die Neugier haben, sich auf den Firmweg einzulassen. Die Anlässe finden bewusst ausserschulisch statt – das bedeutet, die Jugendlichen investieren Zeit aus ihrer Freizeit. Entscheidend ist jedoch etwas anderes: dass die Firmandinnen und Firmanden den christlichen Glauben für sich entdecken, schätzen lernen und im Alltag leben können. Ja sagen zu können zum Glauben – das ist zentral. Am Ende soll jede und jeder sagen können: Das war nicht einfach ein Kurs – das war ein Stück meines Lebens. Die Jugendlichen gehen gestärkt weiter – mit mehr Klarheit und mehr Vertrauen. Und vielleicht mit dem Gefühl: Da ist etwas, das mich trägt – auch in schwierigen Momenten.»
Wo werden am Ende des jährlichen Firmwegs jeweils die Firmfeiern stattfinden?
Ruth Maria: «In zwei bis drei Pfarrkirchen im Pastoralraum, abhängig von der Anzahl der Firmand:innen. Die Orte wechseln von Jahr zu Jahr, so dass weiterhin in jeder Pfarrei gefirmt wird.»
Worauf freust Du Dich beim Firmweg 15plus am meisten?
Bernhard: «Es ist schwierig, etwas Einzelnes herauszunehmen. Ich freue mich auf alles, was der Firmweg mit sich bringt – besonders auf die neugierige Zusammenarbeit mit den Jugendlichen. Auf ihre Fragen, ihre Gedanken, ihre Offenheit. Und auch auf die Ideen und die Zusammenarbeit im Firmbegleitungsteam. Und ganz besonders auf diese Momente, in denen plötzlich etwas bei den jungen Menschen «Klick» macht.»
Noch einmal zum Schluss: Warum überhaupt Firmung?
Bernhard: «Die Firmung ist ein einmaliger Akt – dein bewusstes Ja zu Gott. Nicht, weil du musst, sondern weil du willst. Und dieses Ja ist im Jugendalter, etwa mit 15 Jahren, viel bewusster als in den noch jüngeren Altersjahren. Die Firmung geht zurück auf die ersten Christen: Schon damals legten die Apostel den Menschen die Hände auf und beteten um den Heiligen Geist. Bis heute bedeutet sie: Gott stärkt dich mit seinem Geist und sendet dich, deinen Glauben im Leben sichtbar zu machen. Da stellt sich auch eine weitere Frage: Wer ist die Heilige Geistkraft? Sie ist die innere, gute Kraft, die dich stärkt, damit du Gutes tun und im Sinne Gottes mit anderen Menschen handeln kannst.»
Andreas Wissmiller
Im Pfarreiblatt 05/2026 (Mai) findet sich die stark gekürzte Fassung dieses Gesprächs.