12.06.2026 – Erwachsenenbildung-Kultur
Reliquiar - Ausstellung Erna Schöpfer
Ich bin Erna Schüpfer aus Willisau und unterrichte in einem Nachbardorf eine Unterstufenklasse.
In meiner Freizeit bin ich künstlerisch tätig. Ab und an gönne ich mir eine berufliche Auszeit, um mich vertieft meiner Kunst zu widmen.
Meine Leidenschaft sind Fundstücke aus dem Alltag, Schätze aus dem Brocki, allerhand Krims und Krams, Abgegriffenes genauso wie Klimbim, gerne, was glitzert und glänzt. Ich spiele mit den Gegenständen, füge Unpassendes zusammen, lasse mich dabei vom Zufall überraschen und der Intuition leiten. Scheinbar Unscheinbares bekommt eine neue Bedeutung. Auf diese Weise entstehen bunte, wundersame Welten, die fantastische Geschichten erzählen.
So wie diese vom ausgestellten Objekt mit dem Titel «Reliquiar».
Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich auch mit sakraler Kunst. Die Idee zum ausgestellten Werk begleitete mich gedanklich über Jahre. 2016 entdeckte ich in der Zeitung einen Artikel über die Heilige Clara, ausgestellt im Solothurner Museum Blumenstein. Das dazugehörige Foto mit dem prachtvoll geschmückten Skelett der Heiligen in ihrem Schrein hat mich dermassen fasziniert, dass ich es in über all die Jahre aufbewahrt habe. Ich wusste: Eines Tages würde ich eine Arbeit in dieser Art gestalten. Ich besorgte den Schrein, ein Aquarium, beim Brocki-Sepp in Hüswil. Bis zur Entstehung des ausgestellten Objekts sollten noch weitere zwei Jahre vergehen.
Ausgerechnet um Allerheiligen und Allerseelen letzten Jahres, den Tagen, an denen man der Toten gedenkt, war der Zeitpunkt, diese Arbeit zu realisieren, endlich gekommen.
Ich staffierte den Schrein aus mit der Liege, darauf eine Brokatdecke, Spitzen und Bänder zur Einfassung, einen Vorhang um den Schrein herum, erinnernd an einen Theatervorhang, da die ganze Szenerie für mich auch eine spielerische Komponenete beinhaltet und an etwas Theatralisches erinnert. Ich denke da an die üppige Ausstattung von barocken Kirchen und die rituellen Handlungen im Gottesdienst. Auf die Liege bettete ich eine lädierte Holzfigur.
Ich liess mich, wie immer bei meinen Arbeiten, von meinen inneren Bildern führen und überraschen.
Es öffnete sich mir auch eine Art spirituelle Dimension. So entstand aus der Toten eine schöne Tote. Die Arbeit war meditativ und eine Auseinandersetzung mit dem Tod. Es war für mich eine Art Versöhnung.
Die schöne Tote liegt friedlich da, den Blick gegen den Himmel, in die Ewigkeit, gerichtet, eine Friedenstaube auf ihrem geschmückten Haupt. Der Totenschrein ist bunt ausstaffiert, u. a. mit Bändern und Blumen von meinen Reisen nach Sri Lanka und Mexiko. Rosafarbene Blüten umranken die Tote und künden einen Hauch von Frühling und damit verbunden Hoffnung, Neuanfang, der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, von Tod und Leben.
Viele (unter anderem christliche) Symbole deuten auf eine tiefere Bedeutung des ganzen Werkes.
Dem Betrachter / der Betrachterin können sich bei genauerem Hinsehen und in Verbindung mit persönlichen Erfahrungen mit dem Tod eigene, mehrdeutige Interpretationen erschliessen.
Bleibt noch zu erwähnen, dass die Einladung der Kulturkommission Menznau, eine leere Nische in der Pfarrkirche zu bespielen, ausgerechnet in der Zeit an mich gelangte, als dieses Werk bereits am Entstehen war. Wo würde mein Reliquiar mit der schönen Toten besser hinpassen als in eine Kirche?
Zufall?
Die Ausstellung ist frei zugänglich. Im Juni und Juli ist die Pfarrkirche Menznau täglich von 8.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Ich freue mich auf Ihren Besuch!
Erna Schüpfer