03.04.2026 – Willisau
Karfreitagsliturgie in Jesu Todesstunde – eine Dramturgie
Karfreitagsliturgie in Jesu Todesstunde – eine Dramturgie
Am Karfreitag kurz vor 15.00 Uhr hört man im Städli ungewohnten Lärm, der auf dem Kirchturm ertönt. Es ist die Todesstunde Jesu. Es wird zur Karfreitagsliturgie gerufen. Doch die Glocken sind nach dem Gloria der Abendmahlsfeier am Vortag verstummt. In der Kirche ist es leer. Vorn im Mittelgang steht ein verhülltes Kreuz. Während des Einzugs des liturgischen Dienstes wird ein harter Holzhammer auf Holz geschlagen. Das erinnert an das Einschlagen der Nägel am Kreuz. Dann ist alles still. Vorn angekommen legt sich der liturgische Dienst auf die Stufen. Er trägt einen Schal oder eine Kordel in der Farbe rot. Das symbolisiert Jesu Liebe und Jesu Tod. Drei Leser stellen sich hinter das Kreuz. Sie lesen die Passion, wie sie der Evangelist Johannes aufgeschrieben hat. Sie beginnt mit der Verhaftung im Kidron Tal. Durch Pilatus wird Jesus zur Hinrichtung am Kreuz verurteilt. Nach Jesu Worten “Es ist vollbracht.”, beten alle still. Hier hat die Liebe das letzte Wort. Erst in der Auferstehung wendet sich die Bedeutung: Es ist nicht das letzte Wort der Liebe. Sondern: Liebe siegt über den Tod. Die Passionserzählung gibt Anteil an Jesu Leiden. Dabei schwingt mit, dass auch heute Menschen ungerecht verurteil und gequält werden. Man findet sich wieder in der Masse, die sich beinflussen lässt und brüllt: “Ans Kreuz mit ihm!” Auch Petri Schwächen sind vertraut: Impulsivität und Angst, zum andern zu stehen. Man erschreckt wenn Pilatus spricht: “Dein eigenes Volk haben dich an mich ausgeliefert.” Wollen auch wir Jesus weghaben? Finden wir es bequemer, wenn wir Borschaften von ihm, die unbequem sind, ausklammern? Und es gipfelt im Wunsch an Pilatus: “Schreibe, dass Jesus nur gesagt hat, er sei unser König.” Regiert also jemand anders unsere Kirche? Handeln wir selbst nach anderen Regeln als Jesu Tipps für ein gelingenes Leben? Darum dass Gott regiert, wird in den grossen Fürbitten entfaltet. Das Geheimnis des Kreuzes wird enthüllt. Jeder bringt seine Bitte an den Fuss des Kreuzes.
Luca Siseras Improviationen verstärkten in diesem Jahr diese Dramaturgie. Martin Heller erzählte das Geschehen eindrücklich. Urs Putschker schlüpfte gekonnt in die Rollen der Personen, die an der Passion beteiligt sind. Herzlichen Dank an alle!
Christine Demel
Fotos: Monika Unternährer