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04.10.2026 – Geiss

In den Schuhen Kolpings

Nach 104 Jahren hat sich der Kolping-Verein Region Willisau aufgelöst.

Nach 104 Jahren hat sich der Kolping-Verein Region Willisau an diesem ersten Oktoberwochenende 2026 aufgelöst. Der Abschluss des Vereins wurde mit einem feierlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche Willisau und der 105. und abschliessenden Generalversammlung im Restaurant Pöstli begangen.

 

Präses Andreas Wissmiller erinnerte im Gottesdienst an das soziale und pastorale Wirken Adolf Kolping. Der 1865 gestorbene Selige sei ein "Heiliger von unten" gewesen. Er kam aus einfachen Verhältnissen und habe selber das Handwerk des Schusters gelernt, ehe er Jahre später in seiner Heimat Köln noch Priester wurde. Vielen entwurzelten Handwerksgesellen gab das von ihm gegründete und sich rasch und international verbreitende Kolping-Werk Halt im Glauben, sozialen Rückhalt und so etwas wie Heimat auf Zeit. 1922 sei es zur Gründung des Kolpings-Werks in Willisau gekommen. Anhand des Gleichnisses vom Weinberg erläuterte der Präses, dass Kolping das Arbeiten "im Weinberg des Herrn", ein Gleichnis aus ländlichem Kontext, auf städtisches und vorindustrielles Milieu ausgedehnt und übertragen habe, Kolping also ein Heiliger der Moderne. Und das Kolping-Werk ebenfalls über die Jahrzehnte seines Bestehens auf der Höhe der Zeit, den sozialen Fragen aus christlicher Perspektive aktuell begegnend. In erster Linie im grossen sozialen Zusammenhalt des Vereins vor Ort, aber auch seinem sozialen Wirken, etwa für Texaid, weit über den eigenen Kreis hinaus.

 

Andreas Wissmiller zeigte sich zuversichtlich, dass die Kirche als Ganze, wenn auch jetzt ein Regionalverein mangels Nachwuchs sich auflöse, andere und neue Formen laufend finde, um in sozialen und gesellschaftlichen Fragen Antworten und ganz praktische Hilfestellungen geben zu können. Die Namensgebung des jetzigen Papstes, Leo XIV., knüpfe an Papst Leo XIII. an, dem Papst mit der ersten Sozialenzyklika der Kirche, der wenige Jahre nach dem Tod Adolf Kolpings Papst geworden sei. Auch in Zukunft biete die Arbeit "im Weinberg Jesu Christi" vielfältige Herausforderungen und Möglichkeiten, um "in den Schuhen" des Schusters und Priesters und Seligen Adolf Kolping Christus religiös-pastoral-sozial nachfolgen zu können.

 

In der anschliessenden Generalversammlung liessen die anwesenden Mitglieder persönliche Erinnerungen an ihre Kolping-Zeit aufleben, gedachten der jüngst verstorbenen Mitglieder, begutachteten die Vereins-Fahne, alte Protokolle und Zeitungsnotizen. Die schöne Kolping-Kerze fand eine Abnehmerin und auch manche Pokale aus den sportlichen Zeiten des Kolping-Vereins Willisau. Mit einem feinen Mittagessen beschloss der Verein in würdiger Weise an einem denkwürdigen Tag, dem 4. Oktober 2026 sein Bestehen.

 

Kolping-Vorstand